Gesundheid

Der Einfluss des Gewichts auf das Gehirn

Neue Forschungen weisen darauf hin, dass eine Gewichtsabnahme bei Übergewicht oder Adipositas die kognitiven Fähigkeiten, d.h. die Gehirnfunktion, verbessert. Wie das genau funktioniert, wird in diesem Artikel erläutert.

Zunächst einmal: Was ist Kognition?
Kognition ist ein sehr weit gefasster Begriff, der sich kaum definieren lässt und der für die Fähigkeit, Dinge zu lernen, verwendet wird. Wahrnehmung, Sprache, Denken, Gedächtnis und Denken fallen unter die kognitive Funktion [1].

Das Gehirn und das Gewicht
Eine Meta-Analyse von 7 randomisierten Studien (328 Teilnehmer und 140 Kontrollpersonen) und 13 Längsschnittstudien (551 Teilnehmer) zeigte, dass eine Gewichtsabnahme bei übergewichtigen oder adipösen Menschen zu einer verbesserten Kognition führt. Dieser Effekt zeigte sich besonders deutlich bei Erinnerung und Fokussierung. Auch der Sprachgebrauch und die Aufgabenerfüllung verbesserten sich infolge der Gewichtsabnahme [2].

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Gehirne übergewichtiger Menschen anders aussehen als die von Menschen mit gesundem oder geringem Gewicht. Forscher der Universität von Kalifornien untersuchten Gehirnscans von 94 Personen im Alter von etwa 70 Jahren. Es zeigte sich, dass die Gehirne der übergewichtigen Teilnehmer im Durchschnitt 6% kleiner waren als die Gehirne der schlankeren Teilnehmer. Bei fettleibigen Teilnehmern waren es sogar 8%! Vor allem die Temporal- und Frontallappen des Gehirns waren kleiner [3]. Das sollen genau die Hirnareale sein, die unter anderem für das Gedächtnis wichtig sind.

Die Schlüsselfrage: das Huhn oder das Ei?
Die Gehirnstruktur adipöser Menschen unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von der von Menschen mit einem gesunden Gewicht. Dies zeigt Untersuchungen des UMC Utrecht und der Universität Barcelona. Diese Forschung untersuchte MRT-Bilder der Gehirne von 31 Probanden im Alter zwischen 12 und 39 Jahren mit einem BMI von 30 oder höher. Die Bilder wurden mit den Scans von 32 gleichaltrigen Personen mit einem BMI unter 25 verglichen. Diese Studie zeigte, dass übergewichtige Personen eine anatomische Anomalie im Belohnungssystem aufweisen. Dies bedeutet, dass diese Gruppe empfindlicher auf Reize reagiert, mehr zu essen [4].

Fettleibigkeit wirkt sich nicht nur auf die Gehirnstruktur aus, sondern das Gehirn beeinflusst auch die Entwicklung der Adipositas.

Aufgrund der Anomalien in der Gehirnstruktur sind adipöse Menschen im Durchschnitt impulsiver und empfindlicher gegenüber Belohnungen und reagieren stärker auf Ernährungsreize. Dies fördert Überernährung und erschwert das Abnehmen. Es ist wichtig, sich nicht nur auf Ernährungs- und Diätberatung zu konzentrieren, sondern auch Instrumente zur Verfügung zu stellen, um diese in der täglichen Praxis anzuwenden. Um darauf zu reagieren, wird immer mehr Forschung über die Auswirkungen der kognitiven Verhaltenstherapie auf Übergewicht und Adipositas betrieben.

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